8 Tipps bei der Anwendung der EN 60204


Die EN 60204 elektrische Ausrüstung von Maschinen ist wohl die wichtigste elektrotechnische Normen im Bereich Maschinenbau. Bei der Anwendung entstehen oft kleine Schwachstellen, die ich ihn nenne damit Sie diese vermeiden können.

Schritt 1 der Schaltplan

„erstellen sie bitte einen Schaltplan“ klingt immer schön. Ja, haben wir doch und wenn man dann genauer reinguckt, sieht man ganz schnell die Probleme. Ich liebe es, wenn diese Schaltpläne geteilt sind, das heißt ich habe

  • einen Schaltplan zum „Not-Aus-Kreis“ oder besser gesagt allen Sicherheitsfunktionen, die unbedingt im Notfall funktionieren müssen.
  • Ich liebe ich es, wenn die Leistungskreise (Hauptantrieb etc.) gut zu erkennen sind, damit Menschen wie ich abschätzen können, welche Leistung über diese Zuleitung läuft. Hintergrund ist auch, dass ich die Kabelquerschnitte checken muss. Wir können bei vielen kleinen Hilfsantrieben mit irgendwelche Standardlösungen (1,5 mm² ) kommen.

Diese Trennung ist auch wegen Eco-Design wichtig, denn wenn der Umrichter oder der Motor in 3 Jahren kaputt ist, stellt sich die Frage, wie kann ich ihn wechseln, denn es gibt fast immer etwas bessere Lösungen.

Schritt 2 Schaltschrank und erster Funktionstest für Not-Halt

Dann der eigentlich eine Schaltschrank – der muss natürlich entsprechend den gängigen Regeln der Technik aufgebaut sein. Machen sich wenn es irgendwie geht Übersichtlich! Nein, nicht wie im Automobilbau alles in einen zu engen Kasten gequetscht, sondern LUFT….. Eine Maschine lebt, wird immer wieder angepasst, wird immer wieder umgebaut und erweitert. Wenn der Schaltschrank nach 10 Jahren noch so aussieht wie bei der Auslieferung ist die Maschine nicht im Einsatz gewesen!

Hoppla: Ich erwarte auch eine Funktionsprobe der Not-Halt-Befehlsgeräte! Warum ich das an diese Stelle schreibe, ist Profis klar: jeder Kunde bastelt am Schaltschrank, deshalb jedes Mal zuerst Not-Halt austesten! Die „Fehlerquote“ ist bei den Maschinen, die ich angesehen habe, bei über 30% gewesen!

Schritt 3 elektrischer Prüffinger

Im Schaltschrank und den kleinen Verteilerkästen bitte auf Fingersicherheit achten. Das heißt, wir gehen gedanklich mit so etwas wie ein elektrischen Prüffinger daran und gucken, ob alle Teile fingersicher abgedeckt sind. Nicht fingersicher abgedeckte Teile sind die absolute Ausnahme und brauchen dann auch entsprechende Warnschilder und Abdeckungen und Begründungen.

Wenn sie eine schnelle Überprüfung mit Nicht-Fachleuten machen wollen, empfehle ich ihnen mein kleines Prüffingerset, dass sie unter diesem Link Prüffinger – elektrische-pruefsonden finden können!

Schritt 4 die Bedienung der Maschine oder des Schaltschranks

Bedienelemente und Beleuchtung an der Maschine sind sehr von den aktuellen Moden abhängig. Es gibt Maschinenbauer, die sehr unglücklich gucken, wenn ich sage, ich liebe extrem einfach zu bedienende Maschinen. Nehmen Sie die Lösung, die der Kunde sehen möchte! Nur dann sind die Bedienelemente sehr passend ausgelegt. Gucken sie auf ihre Mitarbeiter bzw. die Mitarbeiter des Kunden mit der Maschine klarkommen oder ob es Bedienprobleme gibt. Lehmen Mitarbeiter die Maschine ab, ist das oft ein tief reichendes Problem und wird für keine der drei Seiten (Käufer, dessen Mitarbeiter, Hersteller) zu guten Ergebnissen führen.

Schritt 5 Dokumentation

Ich hatte schon mit dem Schaltplan zur 60204 angefangen, aber leider werden die Planer der elektrischen Ausrüstung oft gefordert, eine Bedienungsanleitung zu schreiben. Die umfasst nur die normale Bedienung und entsprechend die elektrische Steuerung bzw. Bedienung, nicht die Wartung und das Auswechseln von Maschinenteilen. Gucken sie, dass sie diese Beschreibung schlank halten.

Zur Konformitätserklärung müssen Sie als Schaltschrankbauer nur die 60204 bestätigen, die Diskussionen ob Sie eine unvollständige Maschine herstellen etc. halte ich für wenig zielführend.

Möglicherweise hilft Ihnen auch die Zusammenstellung auf Maschinenverordnung und E-Technik – Step 4

Ob Sie als Schaltschrankbauer auch ernsthaft EMV-Normen nennen sollten, können wir diskutieren. Ich würde ich maximal die Fachgrundnormen bestätigen oder das, was sie aus sich aus den Unterlagen vom Antriebshersteller (Umrichterantrieb) und Steuerungshersteller zusammenstellen können. Schreiben sie bitte nicht zu viel, dazu der folgende Punkt:

Schritt 6 Sicherheitssteuerung


Bestätigung der sicherheitsgerechten Steuerung EN ISO 13849 oder EN 62061. Das würde ich nicht bestätigen, weil das eigentlich Aufgabe des Maschinenkonstrukteurs ist. Es ist zu überlegen, ob die Lösung hier zu dem Anwendungsfall wirklich passen. Sie haben vermutlich die Maschine zusammengebaut, zu den Teilen für diese Sicherheitsbauteile und die Software auch entsprechende Bestätigungen bekommen. Das sind Unterlagen, die den Verantwortliche für die Konstruktion wesentlich entlasten, denn eine SISTEMA-Berechnung von PL-Level kann zeitaufwändig sein – Hersteller bieten diesen Service gerne an.

Mehr dazu aus der Sicht des Maschinenbauers auf Risikobeurteilung Step 5

Schritt 7 Schutzleiter

Prüfung des Schutzleitersystems. Die Norm ihren 60204 fordert ausdrücklich eine Überprüfung der Durchgängigkeit der Schutzleiterstromkreise und ich kann in diese auch wirklich nur ans Herz legen. Bitte auch dokumentieren, was sie neben der reinen Funktion geprüft haben und welche Werte sie haben. Denn manchmal sind diese Werte langfristig sehr interessant, weil sie sehen, wie sich durch Korrosion diese Eigenschaften verändern und verschlechtern

Schritt 8 Isolationsmessungen

Isolationsmessungen bzw. Spannungsfestigkeit der Ausrüstung ist eine ungeliebte Überprüfung, deren Sinn sich nicht immer sofort erschließt. Ich würde sogar sagen die allermeisten Schaltschrankbauer vermeiden diese Überprüfung. Die Prüfung ist immer dann richtig wichtig und richtig sinnvoll, wenn wir Maschinen haben, die durch thermische Belastung sich etwas ausdehnen oder zusammenziehen oder ähnliches. Weil das fast immer auch durch die Kabel auf die Anschlussklemmen übertragen wird und Fehler hier zu sehr erstaunlichen Problemen führen können, empfehle ich diese Überprüfung. In allen anderen Fällen sage ich mal, wenn sie Zeit haben, sonst Mut zur Lücke. Der Abschnitt 18.4 der EN 60204 hat genauere Vorgaben und bitte auch daran halten!

Leistungsaufnahme und Typenschild sind wichtige Angaben die wenn es irgendwie geht, auch messtechnisch überprüfbar sein sollten? Natürlich ist die Leistungsaufnahme bei einer Maschine im Leerlauf eine andere als hinterher an der richtigen im praktischen Einsatz. Auch die Ableitströme sind ein Thema für sich. Ableitströme sind recht schwierig zu messen, aber auf dem Typenschild ist es wichtig erkennen zu können, ob diese Maschine größere Probleme macht oder liegt das alles im Bereich unter 10 mA auf dem Schutzleiter? Hintergrund ist, dass die ortsfeste Installation oft über einen Fehlerstromschutzschalter verfügt und das ganze System zusammenpassen muss.

Schritt 9 das Fotoshooting

Der letzte Punkt wird sie zunächst mal etwas verwundern fotografieren sie den Schaltkasten fotografieren sie die Maschine. Fotografieren sie die Leitungsverlegung, denn daran können sie hinterher sehr schön nachweisen, ob der Kunde die Maschine manipuliert hat. Es wäre nicht das erste Mal, dass der Anwender durch Umbau, Fehlbenutzung oder durch Reinigung zum Beispiel Reinigungswasser in irgendeinen Verteilerkasten laufen lässt und dieser Verteilerkasten dann innen drin Probleme macht. Es kann immer Probleme geben, dafür sind sie professioneller Maschinenbauer. Aber man kann ja auch schnell und klar und deutlich sagen. Wo kommt das Problem her? Wer hat es eigentlich verursacht? Konnten sie das überhaupt vorher wissen?

Immer, wenn es um viel Geld geht gut dokumentieren!

Übrigens sind es 9 Punkte, weil bestimmt ein Punkt für Sie völlig unwichtig ist. Nur sieht das jeder Schaltschrankbauer anders!